WS 2011/12

Sinnesanthropologie

Lektüreseminar

Der sinnlichen Wahrnehmung wurde in der westlichen Geschichte der Philosophie und der Naturwissenschaften sehr unterschiedliche Bedeutung zugemessen. Von der Leugnung jegli­chen Erkenntniswertes bis hin zum Sensualismus, der nur den Sinnen überhaupt Zugang zur Erkenntnis zugesteht, reicht die Palette der Positionen. De facto lassen sich die Sinne nicht von der menschlichen Erkenntnisfähigkeit entkoppeln, allerdings gilt es dennoch nach ihrer Funktion zu fragen: Haben die verschiedenen Sinnesmodalitäten verschiedene Erkenntnis­werte? Oder nehmen wir ohnehin immer multimodal wahr, und was heißt dies für unseren Zugang zur Welt? Ist die sinnliche Wahrnehmung kulturell unterschiedlich und wie gestaltet sich das Verhältnis der Sinne zueinander in verschiedenen Epochen und Kulturen? Ist sinnli­che Wahrnehmung kulturell geprägt oder ‚natürlich’ vorgegeben? All diese Fragen bilden auch den Gegenstand der Reflexion einer zunächst aus der Philosophie kommenden Richtung, die sich dann aber interdisziplinär ausfächert: der Sinnesanthropologie. Im Kurs sollen ver­schiedene Grundlagentexte (Helmuth Plessner, Maurice Merleau-Ponty, Michel Serres, Mar­shall McLuhan, etc.) zunächst in Eigenregie gelesen werden und dann in zwei, über das Se­mester verteilten Sitzungen gemeinsam diskutiert werden, um die verschiedenen Konzeptio­nen in ihrem Verhältnis zur Medientheorie und -geschichte kritisch zu beleuchten. Weitere Termine können nach Absprache vereinbart werden.