SS 2013

Klimakunst: Zwischen gestalterischer Utopie und ökologischer Apokalypse

Die Klimadiskussion, die ab den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts langsam einsetzt und derzeit einen Höhepunkt erlebt, ist geprägt von einer Polarisierung zwischen Apokalypse und Utopie. Die gerne beschworenen Horrorszenarien einer unbewohnbar gewordenen Welt wecken dabei gleichzeitig gestalterische Potentiale, indem klimaunabhängige Lebensräume konzipiert und entworfen werden. Mit dem visionären Architekten Buckminster Fuller setzt beispielsweise der Trend zu Klimakapseln ein, der bis heute anhält: Sein Geist ist geprägt von der Idee, der Mensch könne sich vom Außenklima unabhängig machen und Lebensräume entwickeln, die völlig selbstgenügsam sind und damit das perfekte autopoietische System bilden.
Klimakunst in all ihrer Bandbreite bewegt sich nicht nur an der Schnittstelle zwischen Utopie und Apokalypse, zwischen kybernetischer Autopoiesis als selbstreferentiellem Kreislauf und Ökologie als Austauschprozess zwischen Innen- und Außenwelten, sondern auch zwischen Kunst und Naturwissenschaften. Dabei – dies ist die Ausgangsthese des Seminars – sagt die Herangehensweise der Klimakunst-Projekte, die von der Beobachtung und Wahrnehmbarmachung von Umweltveränderungen bis zu architektonischen und gestalterischen Utopien für Lebensräume der Zukunft reicht, viel über unser Verhältnis zum Klima und zur Umwelt aus.Das Seminar setzt sich zum Ziel, Klimakunstprojekte in ihren impliziten und expliziten Grundannahmen zu untersuchen und in Beziehung zum aktuellen Nachdenken über Ökologie und Klimawandel zu setzen.