SS 2010

Dimensionen der Inszenierung

Die Inszenierung ist im Zeitalter der Massenmedien nicht mehr nur eine rein ästhetische Angelegenheit, sondern durchdringt nahezu alle Bereiche der gesellschaftlichen Öffentlichkeit: Von der Politik über Reality- und Talkshows als inszenierte (Schein)Authentizität bis hin zur Inszenierung des Konsums und des Körperkults in der Shopping- und Wellnesskultur geht es um eine strategische Gestaltung von Effekten zur Erzeugung von bestimmten Atmosphären. Es scheint, dass eine derartige „Gesellschaft des Spektakels“ (Guy Debord) sehr viel differenziertere und manipulativere Darstellungsstrategien entwickelt, als die ureigentliche Heimat der Inszenierung, das Theater. Dessen Reaktion auf die Allgegenwart der Inszenierung ist vielfältig: So ist derzeit eine starke Tendenz zur antifiktionalen Darstellung des Authentischen im Wiederaufleben des Dokumentartheaters einerseits zu beobachten, andererseits aber auch eine Tendenz zur Überkomplexität durch den aufwendigen Einsatz von elektronischen Medien, die eine Art „Hyperinszenierung“ erzeugen. In jedem Fall aber lässt die Omnipräsenz der Inszenierung die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion schon lange verschwimmen – mit gravierenden Folgen für unser eigenes Verhältnis zum jeweils Inszenierten, aber auch zum Nicht-Inszenierten.

Das Seminar beschäftigt sich sowohl aus theoretischer Sicht als auch anhand von konkreten Beispielen mit den verschiedenen Dimensionen der Inszenierung, ihren medialen Strategien und deren Folgen für die Wirklichkeitswahrnehmung.